Die Zweiklassengesellschaft der Radfahrer – und die Gesundheit

E-Bike vs Tourenrad – beide gleich fit?

Wer mit dem traditionellen Rad unterwegs ist, rümpf oft genug die Nase über die E-Biker, die mit rasanten Geschwindigkeiten auch Hügel und Berge meistern. Das ist kein Sport, heißt es oft genug. Doch stimmt das?

Um es gleich vorweg zu nehmen, eine neue Studie zeigt, dass E-Biker längere Strecken zurücklegen als konventionelle Radfahrer. Die Kilometerleistung im Monat ist deutlich höher, als beim Radfahrer nur mit Gangschaltung und Pedale, aber ohne Batterie und Hilfsmotor.

Radfahrer eine Zweiklassenfreizeitgesellschaft?

Es besteht eine gewisse Spannung zwischen konventionellen Radfahrern und denen, die die Pedalen mit Unterstützung von Batterien und Motor schneller kurbeln. Die ummotorisierten Radler beschweren sich häufig über die hohe Geschwindigkeit der Elektrofahrräder, was ganz sicher auch ein wenig mit gekränktem Stolz zu tun hat. Zudem sehen sich Radfahrer als Beitrag zur öffentlichen Gesundheit und zum Naturschutz. In den Augen der traditionellen Pedaltreter scheinen E-Biker eine Art arrogante Elite zu sein, die zudem die Ideale des Radfahrens betrügen.

Aber diese Ansicht ist völlig falsch. Die E-Biker verbrauchen tatsächlich so viel Energie wie diejenigen ohne Motor, sogar ein bisschen mehr, selbst wenn der Unterschied gering ist.

Zu diesem bemerkenswerten Schluss kommt eine “Langzeitstudie zur körperlichen Aktivität von Elektrofahrradnutzern im Vergleich zu konventionellen Fahrradnutzern und Nichtradfahrern”! Basis für die wissenschaftlich fundierte Untersuchung waren die Gesundheits- und Verkehrsdaten aus einer Online-Umfrage, die in sieben europäischen Städten durchgeführt wurde.

Die gesamte Studie mit insgesamt 10.000 Teilnehmern wurde im Fachzeitschrift Transportation Research Interdisciplinary veröffentlicht. Die Daten stammen aus dem EU-finanzierten PASTA-Projekt (Physical Activity Through Sustainable Transport Approaches). Hochgestecktes Ziel dieses Projekts ist es, einen aktiveren Lebensstil in der Europäischen Union zu etablieren.

Wie wurden die Daten ermittelt?

Der Energieverbrauch verschiedener Verkehrsteilnehmer wurde gemessen, angefangen von Elektro- und konventionellen Fahrrädern bis hin zum Gehen. Anschließend wurde überprüft, wie lange jeder Teilnehmer pro Woche gefahren oder gegangen ist und wie lang die zurückgelegte Strecke war. Die Ergebnisse zeigten, dass die E-Biker jede Woche etwas mehr Bewegung hatten, als die normalen Radfahrer.

Um die tatsächliche Aktivität zu ermitteln, wurde die Einheit MWB genutzt. Diese entspricht dem metabolischen Äquivalent der Aufgabe – wie viel Energie ein Mensch im Verhältnis zu seiner Körpermasse verbraucht. E-Biker erhielten 4.463 MWB pro Woche während konventionelle Radfahrer auf 4.085 MWB kamen.

Laut der Studie liegt dies hauptsächlich an der Tatsache, dass Elektrofahrradfahrer einfach mehr Zeit im Sattel verbringen. Die Studie kommt weiterhin zu dem Ergebnis, das E-Bikes europaweit gefördert werden sollten, genau wie die für diese Fahrzeuge notwendige Infrastruktur. Außerdem wurde festgestellt, dass Elektrofahrräder als gesunde und nachhaltige Transportalternative zu befürworten sind.

Obendrein war der Anteil der älteren Fahrer bei den E-Bikes deutlich höher, ohne das dies Auswirkungen auf die Kilometerleistung hatte. Insofern sind E-Bikes dazu geeignet, die Beweglichkeit älterer Menschen zu fördern und eine vorzügliche Alternative zur Senioren-Gymnastik oder anderen sportlichen Aktivitäten dieser Art.