Fettleibigkeit: zur Diagnose bei Kinder BMI unzureichend

Neue Studie zeigt, dass die Feststellung der Fettleibigkeit bei Kindern lückenhaft ist. Der Body-Mass-Index (BMI) allein reicht nicht aus!

Kinder vor gesundheitlichen Folgen der Fettleibigkeit schützen

Traditionell wird das Verhältnis zwischen Größe und Gewicht – der sogenannte BMI – verwendet, um festzustellen, welche Kinder übergewichtig oder fettleibig sind. Studien an der Universität von Halmstad zeigen, dass jedes zweite Kind im Alter von fünf Jahren mit überdurchschnittlicher großer Taillenweite übersehen wird, kommt nur der BMI zu Einsatz. Diese Kinder können jedoch identifiziert werden, wenn das WHtR-Maß (Taillenlängenverhältnis) als Ergänzung verwendet wird.

Übergewicht und Fettleibigkeit haben in den letzten vier Jahrzehnten auf der ganzen Welt dramatisch zugenommen, und dies gilt auch für die Kleinsten. Im Jahr 2016 hatten laut WHO über 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren Übergewicht oder es wurde bei ihnen Adipositas diagnostiziert – Fettleibigkeit. Eine Studie aus dem gleichen Jahr zeigt, dass etwa 12 Prozent der Vierjährigen in den Niederlanden unter Adipositas leiden.

Zahl der stark Übergewichtigen dramatisch gewachsen

Wissenschaftliche Studien mehrerer Universitäten und Kliniken haben überdeutlich aufgezeigt, dass die Risikofaktoren für Morbidität direkt zunehmen, wenn ein Kind von Fettleibigkeit betroffen ist. Der gesamte Körper des Kindes ist von dem erhöhten Gewicht betroffen. Dies führt beispielsweise zu erhöhten Belastungen des Herzens und der Gefäße, dem Risiko für Typ-2-Diabetes, den Auswirkungen auf das Skelett und die Muskulatur. Zudem sind die psychosozialen Konsequenzen nicht zu unterschätzen, die maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von Geist und Charakter haben.

Projekt Growth liefert erste Ergebnisse

An der Universität Halmstad wurde diesbezüglich das “The Growth Project” gestartet. Dabei wurden die Daten für 2.666 Kinder gesammelt wurden, denen die Forscher von Geburt an folgten. Ziel des Projekts ist es, frühzeitig Einflussfaktoren für die Gesundheit und Gewichtsentwicklung von Kleinkindern zu identifizieren. Dass dabei 2.666 Kinder in die Studie eingebunden wurden ist selten, denn eine derart große Zahl ist nur mit hohem Arbeitsaufwand zu kontrollieren. Aber der Einsatz hat sich gelohnt.

Messung von BMI und WHtR

Um die Gewichtsentwicklung von Kindern in Bezug auf die Länge zu überwachen, wird in erster Linie der BMI verwendet. Bei diesem Body Mass Index wird das Körpergewicht durch die Körperlänge geteilt.

Der BMI steht schon seit längerer Zeit in der Kritik, weil dieser nicht anzeigt, wo sich auf dem Körper das Fett befindet. Außerdem unterscheidet er nicht zwischen Fettgewebe und anderem Gewebe wie beispielsweise einer ausgeprägten Muskulatur.
Mit Adipositas verbundene Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes werden häufig mit abdominaler Adipositas in Verbindung gebracht – auch als zentrale Adipositas bezeichnet. Aus diesem Grund wurden neue Messmethoden entwickelt, mit denen die Fettleibigkeit im Bauchbereich nachgewiesen werden kann. Allerdings hat sich die Messmethode bislang nicht durchsetzen können.

Das sollte sich jetzt ändern, denn während der Studie wurden der WHtR (Waist to Height Ratio – Taillenlängenverhältnis) und der BMI verwendet, was bislang einzigartig ist.

Das Resultat ist erschreckend. Durch die Verwendung von BMI und WHtR wurde festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Kinder mit normalem BMI trotzdem erhöhte Taillenmaße aufweisen. Dies bedeutet, dass jedes zweite Kind mit zu großer Taillenweite und den damit verbundenen Risikofaktoren des Übergewichts übersehen wird, wird nur der BMI verwendet.

Risikofaktoren in der frühen Kindheit

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die ersten 1.000 Tage des Kindes von der Empfängnis bis zum zweiten Geburtstag entscheidend für die Ausbildung von Fettleibigkeit oder Adipositas sind. Diese Zeit ist wichtig für das Wachstum des Kindes und auch, um es rechtzeitig zuvor durch ein Ernährungsprogramm vor den gesundheitlichen Folgen des Übergewichts zu schützen.

Wie die Eltern – so das Kind

Überdies ist erwiesen, das wer als Kind an Adipositas leidet, ein hohes Risiko für Adipositas als Erwachsener trägt. Dabei spielen nicht nur die Essgewohnheiten des Kindes eine Rolle. Das Risiko, übergewichtig und fettleibig zu werden, wird auch von anderen Faktoren beeinflusst. Unter anderem auf einen hohen BMI bei der Mutter vor und während der Schwangerschaft und wenn die Schwangere bereits unter Typ-2-Diabetes leidet. Beides ist mit hohen Glukosespiegeln im Blut verbunden, die einen erhöhten Glukosetransport zum Fötus bewirken und somit zu einem erhöhten Wachstum des Fettgewebes beim Baby führen. Damit ist die Fettleibigkeit beim Kind quasi von der Mutter vorprogrammiert.

Auch das Wachstum der Gebärmutter kann zur einem erhöhten Risiko der Fettleibigkeit beim Kind führen, genau wie ein zu hoher BMI des Vaters. Denn dieser erklärt für gewöhnlich die Essgewohnheiten der Familie. Wird frühzeitig eingegriffen, besteht die Möglichkeit, positive Gewohnheiten zu etablieren, bevor der endlose Leidensweg des Kinds beginnt.